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Seeschwalben
sind keine Schwalben, sondern eigentlich Seevögel und mit den Möwen verwandt, denen sie auch ähnlich sehen. Allerdings sind sie schlanker, mit überaus schmalen, langen Schwingen, und eher kurzen Beinen. Im Laufe der Entwicklung haben sich einige Arten auch in geeigneten Lebensräumen im Binnenland angesiedelt. Die
Flussseeschwalbe (sterna hirundo) ist, wie es ihr Name schon sagt, im
Wesentlichen den Flussläufen gefolgt und hat noch im 19. Jahrhundert entlang der weitläufigen Stromauen unserer großen Flüsse weite Verbreitung gefunden. Ihr bevorzugtes Brutgebiet waren unbewachsene Kiesinseln
, die sich infolge der jahreszeitlich unterschiedlichen Wasserstände jährlich neu bildeten. Diese boten einerseits relativ guten Schutz gegen Nesträuber von Land, andererseits eine unbeeinträchtigte Rundumsicht
zum rechtzeitigen Erkennen von Gefahren aus der Luft. Flussseeschwalben bauen keine Nester, daher sind ihre Eier auf dem Kies nur schwer zu entdecken, wenn die Altvögel bei Gefahr das Gelege verlassen.
Mit der Begradigung des Oberrheins und der Schaffung künstlicher Uferbefestigungen wurden hier praktisch alle
Nistmöglichkeiten für die Flussseeschwalbe nachhaltig Eine Flussseeschwalbe auf einer der künstlichen
vernichtet. Die Art galt in unserer Region daher lange Inseln, im Hintergrund ein Flussregenpfeifer. Zeit als ausgestorben. Es war ein ausgesprochener
Glücksfall und für Vogelkundige eine kleine Sensation, dass im Juni 1981 auf einer “natürlichen” Kiesinsel im Baggersee der Firma Silex-Normkies zwischen Hagenbach und Neuburg der Nachweis dreier junger
Flussseeschwalben gelang - der Bruterfolg eines einzelnen Flussseeschwalbenpaares, der sich in den darauffolgenden Jahren wiederholte. 1987 brüteten dann zum ersten Mal zwei Paare, und zwischen Herbst
1987 und Frühjahr 1988 wurde das Projekt “Künstliche Flussseeschwalbeninseln” gestartet mit dem Ziel, der Flussseeschwalbe wieder einen Lebensraum in unserer Region zu schaffen.
Die Initiative des Naturschutzverbands Südpfalz e.V. stieß nicht nur auf die Zustimmung der Firma Silex
Normkies als Eigentümerin des Gewässers, sondern fand auch Unterstützung in Form von wissenschaftlicher Betreuung und finanzieller Förderung seitens der Staatlichen Vogelschutzwarte in Frankfurt. Die
künstlichen Brutplätze
bestehen aus schwimmenden Inseln aus Kunststoff, die auf dem Baggersee verankert sind. Die Oberfläche dieser nur etwa 15cm aus dem Wasser ragenden Flöße ist mit einer Kiesauflage bedeckt, die regelmäßig
erneuert werden muss. Die Inseln bestehen aus dreieckigen Einzelelementen, so genannten Schwimmkampen, die zu beliebiger Größe zusammengesetzt werden können. Sie wurden entsprechend dem wachsenden Bedarf mehrmals
erweitert und bieten heute eine Gesamtfläche von nahezu 200 Quadratmetern. Durch die Verwendung entsprechend langer Ankertaue sind die Inseln, die sich innerhalb des Überflutungsgebietes des
Rheins befinden, absolut hochwassersicher. Der nicht öffentlich zugängliche Baggesee bietet somit Teilansicht einer schwimmenden Insel, vom Ufer aus einen rundum geschützten Lebensraum mit einem aufgenommen. reichhaltigen Nahrungsangebot
. Nachdem die Flussseeschwalben im Spätsommer die Inseln verlassen, um ihre Überwinterungsquartiere (überwiegend an der Westküste Afrikas nördlich und
südlich des Äquators) aufzusuchen, werden die Inseln von anderen Wasservögeln in Beschlag genommen, vor allem Stockenten, Kanadagänsen und auch Kormoranen. Die Entenvögel bringen über
ihren Kot immer wieder Samen auf die Inseln, so dass sich Jahr für Jahr ein (für Flussseeschwalben) unerwünschter Bewuchs bildet - vor allem Goldrute und Brennnessel finden selbst auf dem kargen
Kiesbelag hinreichende Lebensbedingungen. Entsprechende jährliche Wartungsarbeiten sind daher fester Bestandteil der Arbeitseinsatzplanung des NV-S. Je nach Zustand wird dabei nur der
Grünbewuchs entfernt und die Kotspuren beseitigt, oder auch die gesamte Kiesauflage erneuert. Das Teichvlies, das die einzelnen Schwimmelemente
nahtlos überdeckt und den Kiesbelag hält, ist ebenfalls nicht unbegrenzt haltbar und muss
So eng kann es auf den voll belegten Inseln zugehen ... gelegentlich erneuert werden.
Das Projekt war von Anfang an erfolgreich. Auf dem ersten Schwimmelement von nur 22 m2 brüteten im
Jahr 1988 bereits drei Paare der Flussseeschwalbe. Vier Jahre später waren es auf 112 m2 bereits 20 Brutpaare, und diese Anzahl
verdoppelte sich erneut in den Jahren 1998-99 mit der Erweiterung auf den heutigen Stand von knapp 200 m2. Der bisherige Höchststand wurde im Jahr
2001 mit 46 Brutpaaren erreicht. Seitdem geht ihre Anzahl wieder zurück, - zunächst nur leicht, im Jahr 2004 aber schon recht deutlich: in diesem Jahr brüten nur 30 Brutpaare, nur eine der beiden
großen Inseln wurde belegt.
Peter Schütt und Gerd Kümmel auf Arbeitseinsatz im Bug der
“Seeschwalbe” des NVS. Voraus liegt die “natürliche” Brutinsel, deren Weidensaum zurückgeschnitten werden muss.
Was ist geschehen? Nun ... auf den künstlichen Inseln stehen keine Schilder “Nur für Flussseeschwalben!”,
und der geschaffene Lebensraum ist auch für andere Arten interessant. Mit dem
Flussregenpfeifer (charadrius dubius) zum Beispiel leben die Flussseeschwalben problemlos zusammen, aber inzwischen hat sich auch echte “Konkurrenz” eingestellt.
Bereits im Jahr 2001 hat zum ersten Mal ein Paar Mittelmeermöwen (larus (cachinnans) michahellis) auf
einer der Inseln erfolgreich gebrütet. Im Jahr 2004 waren es bereits drei Brutpaare, und im kommen- den Jahr werden es noch mehr sein: die Jungvögel der Brutsaison 2003 sind noch nicht ausgewachsen,
leben aber ebenfalls auf dem Baggersee. Da die Mittelmeermöwen hier überwintern, beginnen sie mit der Brut bereits lange bevor die Flussseeschwalben aus ihren Winterquartieren zurückkehren. In diesem
Jahr belegte jedes der drei Brutpaare eine “eigene” Insel: beide schwimmenden Inseln und auch die Brütender Flussregenpfeifer auf der “natürlichen” Insel natürliche Insel im Baggersee wurden in Beschlag genommen. Da es sich bei dieser Art ebenfalls um die einzige bekannte Brutkolonie in unserer Region handelt, war ein Eingreifen seitens des NV-S nicht
mehr möglich, nachdem mit dem Brüten begonnen worden war. Wir konnten nur noch abwarten und beobachten, was sich abspielen würde, sobald die Flussseeschwalben ankamen. Und in der Tat: trotz
einer offenkundigen Abneigung der Flusssee- schwalben gegenüber ihren wesentlich größeren “Vettern” ließen sich viele der für ihre Brutreviertreue bekannten Vögel nicht abschrecken und ließen sich
auf einer der beiden schwimmenden Inseln nieder.
März 2004: Mittelmeermöwen belegen eine Brutinsel. Natürlich ist dadurch für beide Arten Dauerstress
vorprogrammiert. Die Flussseeschwalben fürchten die
Mittelmeermöwe zu Recht als Bruträuber, und fliegen daher ihrerseits immer wieder Scheinangriffe auf die Möwen. Es ist auf beiden Seiten mit Verlusten bei den Nachkommen zu rechnen. Eine Situation, die zu entschärfen unser dringendes Anliegen für die nächste Saison ist.
Ein Plan ist bereits konzipiert und wird im Herbst umgesetzt werden. Er besteht im Wesentlichen darin, dass die schwimmenden Inseln zur jährlichen Wartung diesmal ans Ufer gezogen werden und dort verbleiben,
bis die Flussseeschwalben wieder eintreffen. Bis dahin haben die Mittelmeermöwen längst mit dem Brüten begonnen, und da sie die großen Schwimmflöße nicht an ihren gewohnten Ankerplätzen vorfinden, werden sie
sich - so die Hoffnung der NV-S Experten - alle auf der natürlichen Insel niederlassen.
Zusätzlich soll noch eine dritte, kleine Schwimminsel von 20 m2, die bereits vor Jahren hinzugekauft
worden war und die sich im Originalzustand trotz hoher Anschaffungskosten als weitgehend untauglich erwies (die Auftriebskörper konnten die erforderliche Kiesauflage nicht halten), jetzt von der Herstellerfirma
instandgesetzt und den Silbermöwen als zusätzlicher Brutplatz angeboten werden.
Bilder von einer missglückten Aktion:
das neue
Modell einer schwimmenden Insel aus rostfreiem Stahl erweist sich als nicht tragfähig: nachdem sie in mehrstündigem Arbeitseinsatz vieler NV-S Mitglieder zusammengesetzt ist, klappt
sie beim Beladen mit Kies zuammen wie ein Leberwurstweck...
Für die Brutsaison 2005 soll zwischen den “Möweninseln” und den “Seeschwalbeninseln” der größtmögliche räumliche
Abstand vorgesehen werden - eine neue Herausforderung für die Zusammenarbeit von “Industrie” und “Naturschutz”,
die hier schon viele Jahre lang so erfolgreich praktiziert wird: in Abstimmung mit den Betriebserfordernis- sen der Firma Silex Normkies müssen für die schwimmenden Inseln neue Ankerplätze festgelegt werden.
Den Projektbetreuern beim Naturschutzverband Südpfalz steht also wieder viel Arbeit und auch erheblicher
Kostenaufwand ins Haus. Die Verleihung des Umweltpreises 2003 des Bezirksverbands Pfalz ist daher nicht nur eine erfreuliche Anerkennung der geleisteten Arbeit, sondern auch in finanzieller Hinsicht hoch
willkommen. Wenn unsere Planung erfolgreich ist, werden wir im kommenden Herbst evtl. schon über eine zusätzliche Insel nachdenken müssen. 
So wie im Bild oben sehen die Inseln im Herbst aus,
wenn das “Räumkommando” des NV-S anrückt - und so wie im Bild rechts, wenn die Arbeit beinahe getan ist.
Lesen Sie hierzu auch die beiden Zeitungsausschnitte “Schwalben zieht es auf die künstliche Insel” und “Kies ab- und Artenvielfalt aufgebaut
” in unserem Pressespiegel.
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