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Mutmaßlicher Froschdieb verurteilt.
Am 30. März 2010 wurde unser Mitglied Ulrich Kabel bei einer Kontrollbegehung des Amphibienschutzzauns an der K19 bei Hagenbach von einem 54jährigen Elsässer tätlich angegriffen. Ulrich hatte sich das Kennzeichen des
Fahrzeugs des Mannes notieren wollen, nachdem dieser gesagt hatte, dass er sich Frösche aus den Eimern zum persönlichen Verzehr ”zurückgeholt” habe, da die Elsässer bekanntlich gerne Froschschenkel essen und die
Deutschen ihnen in den elsässischen Restaurants alle Froschschenkel wegessen würden.
Der Vorstand des NVS hat darauf bestanden, dass der Vorfall zur Anzeige gebracht wurde, da
- ganz unabhängig von dem Naturfrevel an den geschützten Fröschen - nicht hingenommen werden kann, dass sich unsere Mitarbeiter bei ihren freiwilligen, uneigennützigen und ehrenamtlichen Einsätzen für die Natur auch noch in Gefahr begeben, von Fremden körperlich attackiert zu werden.
Der Vorfall wurde am 27. Juli 2010 vor dem Amtsgericht Kandel verhandelt und endete mit einer Verurteilung des Angreifers zu einer Geldstrafe. Dabei ging es nur um die Straftat der Körperverletzung - der mutmaßliche
Froschdiebstahl wurde von dem Angeklagten geleugnet und war nicht Gegenstand der Verhandlung. In der RHEINPFALZ erschien hierzu am 14.08.2010 ein Bericht unter dem Titel “Teurer Froschschenkel-Witz am Krötenzaun”.
Auf zwei der in diesem Artikel wiedergegebenen Ausflüchte des Angeklagten sei hier kurz eingegangen:
- Keinem verantwortungsbewussten Naturschützer würde es in den Sinn kommen, Exemplare des auf der “Roten Liste” stehenden Springfroschs aus ihrem natürlichen Biotop zu entfernen (der Bienwald ist eines der
bedeutendsten Vorkommen des Springfroschs in ganz Deutschland) und sie dann “irgendwo im Elsass” wieder auszusetzen. Die Tiere würden sehr wahrscheinlich nicht überleben. Es ist daher eher anzunehmen, dass der
Täter mit den Fröschen, die er sich holen wollte, anderes im Sinne hatte.
- Unter normalen Umständen ist nicht davon auszugehen, dass eine “von vornherein aufgeladene Situation” entsteht, die man mit einem derben Witz “entkrampfen” muss, wenn sich zwei Menschen irgendwo im Wald
begegnen. Denn solche Begegnungen ereignen sich tagtäglich tausendfach, und Wanderer, Biker, Walker, Jogger, Hundebesitzer - und auch aktive Naturschützer - kommen dabei in aller Regel gut miteinander aus.
Anders sieht die Sache aus, wenn einer der Betroffenen sich bewusst ist, dass er etwas Unrechtes getan hat oder zu tun beabsichtigte und befürchtet, dass der andere dagegen Einwände vorbringen könnte.
Wir können den Froschdiebstahl nicht konkret nachweisen, da der Amphibienschutzzaun am Tag dieses Vorfalls schon nicht mehr in Betrieb war und der Täter daher nicht “in flagranti” ertappt wurde (der Zaun wurde
bereits am 27. März hochgebunden, um Rückläufer nicht zu behindern, und die Auffangeimer waren daher alle leer - was der mutmaßliche Froschdieb aber offenbar nicht wusste). Aus seinen Äußerungen war aber zu
entnehmen, dass dies nicht sein erster Besuch am Amphibienzaun war. Da wir seit 2002 alle Daten zu den geretteten Tieren erfasst haben, besteht aber die Möglichkeit, aus den Statistiken Rückschlüsse auf die
Höhe des angerichteten Schadens zu ziehen (siehe Grafik weiter oben). Bei den betroffenen Fröschen handelt es sich um Springfrösche und Grasfrösche, die in der Grafik blau bzw. grün dargestellt sind. Wie man auch
ohne Kenntnis der exakten Zahlen erkennen kann, war 2010 nahezu ein Totalausfall - ganze 70 Frösche wurden gerettet, im Vergleich zu mehr als 800 im Jahr davor. Unter Berücksichtigung des in der Grafik ersichtlichen
Zweijahres-Verlaufs (2006 und 2008 waren deutlich schwächer als 2007 und 2009) wären in 2010 etwa 400 Tiere ein “normales” Ergebnis gewesen. Es ist also von einem Verlust von deutlich mehr als 300 Tieren auszugehen.
Ob und wie weit sich die Froschpopulation von diesem massiven Eingriff erholen kann, werden erst die kommenden Jahre zeigen. Wir können nur das Beste hoffen. Und mit dem Gerichtsurteil ist wohl sichergestellt, dass
dieser unglaubliche Vorfall ein Einzelfall bleiben wird und unsere Mitarbeiter auch in Zukunft unbesorgt ihren Einsatz für die Natur leisten können.
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