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Rückblick: 2004

Wie schon in den vergangenen zwei Jahren wurde an der Kreisstraße K19 von Langenberg nach Hagenbach, nördlich und südlich der Einmündung der Straße von Büchelberg, auch in 2004 wieder ein Amphibienschutzzaun angelegt, um die Amphibien, die auf dem Weg aus ihren Winterquartieren im Bienwald zu ihren Laichplätzen im Naturschutzgebiet Ried-Ried die Straße überqueren müssen, vor dem Unfalltod zu bewahren. Durch den etwa 40cm hohen Amphibienzaun werden die Kröten, Frösche und Molche in den entlang des Zaunes eingegrabenen Eimern aufgefangen. In täglichen Kontrollen wurden die Tiere eingesammelt und über die Straße zu ihrem Laichgewässer im Naturschutzgebiet gebracht.

Der Zaun wurde gegenüber dem Vorjahr nur geringfügig verändert: am Nordende wurde entsprechend der Erfahrungen aus 2003 ein Stück verlängert. Eine weitere Verlängerung an dieser Stelle ist im kommenden Jahr erforderlich, denn immer noch entstanden erhebliche Verluste vor dem Anfang des Zaunes. Die Anzahl der Eimer wurde durch eine gleichmäßigere Verteilung auf insgesamt 26 reduziert.

Das nebenstehende Bild zeigt den aktualisierten Lageplan.


In diesem Jahr wurden die Amphibien infolge der ungewöhnlich milden Witterung Ende Januar schon Anfang Februar aktiv.  Dank der vorausschauenden Planung seitens der Verantwortlichen war der Zaun rechtzeitig am 2. Februar fertig: bereits am 3. Februar ergab die Kontrolle ein Ergebnis von 60 Tieren. Für den Naturschutzverband Südpfalz, der wie schon im Vorjahr die tägliche Kontrolle des Zaunes übernommen hatte, begann die aktive Phase. An dem Projekt beteiligten sich wie in den vergangenen Jahren das Forstamt Hagenbach, die Untere Landespflegebehörde, die Biotopbetreuung Rheinland-Pfalz, und die Hainbuchenschule Hagenbach.

                      Abb. 1: Lageplan 2004

Nach dem erneuten Frosteinbruch ab dem 19.Februar trat eine lange Pause in der Amphibienwanderung ein: an 16 Tagen in Folge wurde kein einziges Tier in den 26 Eimern vorgefunden. Erst die etwas angestiegenen Temperaturen um den 7. - 8. März lockten wieder eine Anzahl Tiere aus den Winterquartieren, bis es dann - nach einer neuerlichen Frostperiode von 4 Tagen - am Wochenende vom 13. - 14. März so richtig losging: mit insgesamt 689 Tieren wurde am Sonntag, den 14. März ein neuer Rekord erreicht! Das Leeren der 26 Eimer , mit sorgfältiger Bestimmung und Protokollierung aller vorgefundenen Tiere, nahm den ganzen Vormittag in Anspruch.

Abb. 2: Arten je Tag (an den in der Grafik nicht ausgewiesenen Tagen vom 22.02. bis 03.03. gab es keine Funde).

Wie schon in den vergangenen zwei Jahren wurden die Funde jedes Tages detailliert aufgezeichnet. Nachdem die Gesamtzahl der geretteten Amphibien von 768 in 2002 auf 2588 im Jahr 2003 gestiegen war, wurde das neue Gesamtergebnis natürlich mit Spannung erwartet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: eine neuerliche Steigerung um mehr als 1000 Tiere!  Die Summe von 3602 Exemplaren entspricht beinahe 470% des Wertes von vor zwei Jahren. Ein Ergebnis, das eindrucksvoll belegt, wie notwendig diese jährliche Rettungsaktion tatsächlich ist, und wie weit der Bestand der in diesem Bereich lebenden Amphibien durch den todbringenden Verkehr bereits dezimiert worden war.

Abb. 3: Arten je Eimer

Am schlimmsten betroffen gewesen waren - nicht eben überraschend - die Erdkröten: sie bewegen sich normalerweise schon nicht schnell, da sie nicht wie Frösche springen, sondern kriechen. Noch klamm von der Winterkälte, seit Monaten ohne Nahrungsaufnahme, und die Weibchen oft schon mit einem Männchen auf dem Rücken - da kann die Überquerung der bis über 8m breiten Straße - mit Ruhepausen - auch eine halbe Stunde und länger dauern: eine tödliche Falle, selbst bei dem nachts deutlich geringeren Verkehrsaufkommen . Die Zahlen belegen es: im Jahr 2002 waren nur 259 Erdkröten geborgen worden. 2003 stieg die Zahl auf 1225, und jetzt in 2004 waren es genau 2042 .  Nicht angestiegen ist die Zahl der Springfrösche: mit 632 Exemplaren liegt sie deutlich unter dem Wert von 2003 (796). Stark verbessert haben sich hingegen die Zahlen für den Bergmolch (310 Exemplare nach 234 in 2003) und den Fadenmolch (143 nach 95 in 2003).

In dem nachfolgenden direkten Vergleich der Teilstrecke, die in den drei Jahren von dem Zaun abgedeckt war , ist der deutliche Anstieg der geretteten Tiere - bei Anwendung des gleichen Maßstabs - auch optisch deutlich zu erkennen. Im Gegensatz zum Vorjahr waren in diesem Jahr auffallend viele Jungtiere unterwegs.

Abb. 4: Arten je Eimer an der südlichen Teilstrecke, in den Jahren 2002 und 2003

Abb. 5: Arten je Eimer an der südlichen Teilstrecke, in 2004

Für die Hainbuchenschule als Ökologische Schule ist das Amphibienprojekt Teil eines umfangreichen Kooperationsprogramms mit dem Forstamt Hagenbach. Dabei geht es um eine Reihe von praktischen Beiträgen zum Artenschutz und zur Umweltpädagogik. Am “Krötenzaun” halfen Schüler verschiedener Klassen in Begleitung von Lehrkräften beim Einsammeln der Tiere. Sie erhielten dabei von Fachleuten des NVS aktuelle Informationen über die jeweils vorgefundenen Arten, deren Lebensweise und den Grad ihrer Gefährdung. Bei Kindern, die schon im letzten Jahr an dieser Aktion teilgenommen hatten, war neben der allgemeinen Begeisterung für diesen Einsatz eine z.T. recht umfassende Kenntnis der Tiere und ihrer Eigenschaften und Verhaltensweisen festzustellen: eine überaus erfreuliche Entwicklung.

Die Aktion ist für das Jahr 2004 abgeschlossen. Der Zaun wurde bereits Ende März außer Betrieb genommen.

Das nebenstehende Bild zeigt die vier Erdkrötenweibchen, die am letzten Tag, an dem es Funde gab (es war der 26. März), eingesammelt wurden. Nachdem sie am Rand des Moores ausgesetzt wurden, halten sie noch ein paar Minuten inne, bevor sie sich auf die Suche nach einer passenden Stelle machen, an der sie sich für den Rest des Tages eingraben können.

Bemerkenswert ist, dass diese Nachzügler alle ohne Männchen unterwegs waren. Eine genaue Auszählung nach Geschlechtern ist dieses Jahr nicht durchgeführt worden, aber das an anderen Orten festgestellte extreme Mißverhältnis (bis zu zehnmal mehr männliche als weibliche Tiere) scheint hier nicht gegeben zu sein. Genaue Zahlen wollen wir im nächsten Jahr ermitteln.

Abschließend noch einige Angaben zum Aufwand für dieses Projekt: insgesamt waren 10 Mitglieder des NVS Südpfalz im Einsatz. Von den 56 Tagen, an denen der Zaun kontrolliert wurde, gab es an 26 Tagen keinen einzigen Fund. Die aufgewendete Zeit (einschließlich An- und Rückfahrt) summierte sich zu mehr als 300 Einsatzstunden, und aufgrund der unterschiedlich langen Anfahrtswege kamen trotz Fahrgemeinschaften mehr als 3000 PKW-Kilometer zusammen. Alles ehrenamtlich, versteht sich - auch die Fahrtkosten bestreiten die teilnehmenden Mitglieder aus eigener Tasche.

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